MOBILFUNK IN USADipl.-Ing. Helmut Kropp |
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Mobilfunk in USA - ein Erfahrungsbericht
Wer heute ein Mobilfunkgerät mit sich herumträgt, ist es gewohnt, in allen Ländern z. B. der EU jederzeit und unkompliziert, ohne gesonderte Anmeldung etc. telefonieren zu können. Beim Über�schreiten von Ländergrenzen bucht das Mobilfunkgerät automatisch in das andere Netz ein. Das gilt zumindest für die neuen Geräte, früher musste man dabei noch gesondert den neuen "Ländercode" eingeben. Ich rufe beim Netzbetreiber an: "Ich mache demnächst Urlaub in USA, geht dort mein Handy?" Die "Hotline" ist da überfragt, sie zieht Erkundigungen ein, eine eindeutige Antwort bleibt aus. Ich frage einen Kollegen nach seinen Erfahrungen, der meint, das ist ganz einfach, nach Ankunft in USA das Handy einschalten und schon geht es. Voraussetzung sei aber ein "Dreibandhandy". Damit habe ich kein Problem, gemäß "Manual" soll das der Fall sein. Nach der Landung in Anchorage geht das Handy aber nicht. Zwar sind die bekannten Feldstärkeanzeigen dick und fett da, aber statt des Namen des Netzes oder Netzbetreibers erscheint die Meldung "Nur Notruf". Anchorage liegt in Alaska, das ist flächenmäßig der größte Bun�desstaat der USA. Bevölkerungsmäßig ist der Staat ein Zwerg, gerade mal etwa 750.000 Einwohner, davon wohnt die Hälfte in Anchorage. Aber immerhin die Erkenntnis: Auch in Alaska gibt es ein Mobilfunknetz, das Handy hat es erkannt, aber die "Anfrage" des örtlichen Betreibers über das weltweite Datennetz, ob ich telefonieren darf, lief ins Leere, Ursache: Kein Roamingabkommen mit meinem deutschen Netzbetreiber. Nach der Rückkehr nach Deutschland gelingt es mir endlich, jemand Kompetenten bei meinem Netzbetreiber zu erreichen, und der sagt sofort: "Klar haben wir ein Roamingabkommen mit den USA, aber immer ohne Alaska. Das hat kein deutscher Netzbetreiber!" Jetzt bin ich aber noch in Alaska und eine SIM-Karte, die geht, soll her. Wir besuchen ein grosses Kaufhaus in Anchorage, da gibt es mehrere Shops. Gleich im ersten Shop bekomme ich die Auskunft: "Wir verkaufen schon Prepaidkarten, aber nicht für fremde Mobil�funkgeräte!" Aua, also kennt man auch hier das "gebrandete" Handy. Im dritten Stock dann stossen wir auf einen Stand der Firma "Cellular One". Die Verkäuferin, eine "Afroamerikanerin", ist sehr kompetent, eher gelangweilt hackt sie in die Tasten ihres Terminals und dann habe ich innerhalb von fünf Minuten ohne Vertrag meine Prepaid-Berechtigungskarte für 20 US-Dollar. Die wird nun statt meiner deutschen SIM-Karte eingelegt. Ein kleines Hindernis gibt es noch, mein Handy zeigt im Display an: "Updating SIM Card". Der Dame von Cellular One dauert das zu lange, kurzerhand greift sie unter den Ladentisch und steckt ihre SIM-Karte in ein rotes Samsung-Handy, das dann auch gleich das Netz anzeigt und gibt es mir wortlos samt Ladegerät und Bedie�nungsanleitung. Ich bin einen Moment sprachlos, dann frage ich, was das kostet. Nichts, sagt die Verkäuferin, "its a refurbished one!" Und so blieb mir dann nur, mich zu bedanken. Ja so kam ich dann unerwartet zu einem echt amerikanischen, tadellos funktionierendem Mobilfunkgerät! Es wäre noch über mobile Telefonerfahrungen in Alaska zu berich�ten. Ich kann nur sagen: So wie bei uns in 1992! Damals befanden sich bei uns die Netze D1 und D2 im Aufbau und wenn ich von München nach Saarbrücken mit dem Auto fuhr, dann hatte ich minde�stens sechsmal eine Unterbrechung und tote Zonen. In Alaska war es ähnlich, nur entlang der "Touristen"- Route Fairbanks-Anchorage-Seward wird von Cellular One eine Versorgung per "Ausbreitungskarte" versprochen (die gab es damals auch bei uns!). In der Praxis fiel das Netz dann in den Bergen im Kenai-Forest ganz aus (also noch nicht als Notrufgerät für Rafter, Hiker, Climber geeignet), aber wenigstens um Anchorage herum war das Netz immer da. Abgehende Gespräche nach USA, Kanada oder Europa waren uneingeschränkt möglich, ankommende Verbindungen sowieso. Noch am Abreisetag lernte ich die Vorteile eines betriebsbereiten Mobilfunkgerätes schätzen, als ich damit den (indischen) Taxifah�rer per Handy zu meinem Standort in einem Aussenbezirk von Ancho�rage lotsen konnte, um zum Flughafen zu kommen. Bus oder S-Bahn gab es dort natürlich nicht. Gespannt war ich, wie die Karte in Kanada funktionieren würde, denn in der Preisliste stand "Roaming Canada 35 cent". Das war aber, wie jeder weiss, nur für ankommende Verbindungen gedacht, in Kanada war nun diese Karte für abgehende Verbindungen bis auf "Emergency Calls Only" tot. Cellular One war auch nicht in Kanada vertreten. Erstaunlicherweise konnte man aber aus Europa und Kanada nach wie vor dieses rote Handy mit der Alaska-Rufnummer problemlos erreichen. Dafür funktionierte mein deutsches Mobilfunkgerät samt deutscher SIM-Karte endlich und "Rogers Wireless" in Vancouver war dann der zuständige, im Display angezeigte Netzbetreiber. Versuche, bei Annäherung an die amerikanische Grenze (Vancouver liegt ja dort nahe dran) mit dem Alaska-Handy in das USA-Netz einzubuchen, mißlangen, die Feldstärken waren dazu offenbar nicht ausreichend. In Vancouver mokiert man sich derzeit noch über glückliche Mäd�chen, die mit dem Handy am Ohr die Strassen und Busse bevölkern, aber das wird sich bestimmt bald geben.
H. Kropp |
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